6. Halberstädter Orgeltag

04. - 06. September 2020

Highlights:

Tonwechsel John-Cage-Orgel-Kunst-Projektes

Musical zur Orgelgeschichte in der Martinikirche

Konzert im Dom, Orgel- und Orgelwerkstatt-Führungen

Orgeltag 2019 - Rückblick

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Förderkreis Musik am Dom zu Halberstadt e.V.

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Dr. Carmen Presch, Förderkreis Musik am Dom zu Halberstadt e.V.
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Kurze Orgelchronik des Halberstädter Doms

Abb. 1: Gotische Orgel im Dom zu Halberstadt. Versuch einer architektonischen Rekonstruktion.
Abb. 2: Die klaviaturen der gotischen Orgel - Kupferstiche von Michael Praetorius.
Abb. 3. Foto: Orgel mit Tunnel, Jahr der Aufnahme unbekannt
Abb. 4: Foto: Der erhaltene Prospekt von Herbst mit verschlossenem Tunnel

Vor über 1000 Jahren gab es offenbar die erste Orgel im Dom, für die Michael Praetorius (1571 – 1621) Hinweise in Inschriften fand, die er in seinem „Syntagma musicum“ beschrieben hat. 1060 wurde sie bei einem Brand des Doms zerstört.

Vor 1328 muss vermutlich eine neue Orgel entstanden sein. Erhalten gebliebene Quittungen aus diesem Jahr belegen die Tätigkeit eines Calcanten.

1361 wurde die berühmte Blockwerksorgel des Mönches Nikolaus Faber aus Halberstadt geweiht. Sie galt als die bis dato größte und modernste Orgel der Christenheit mit drei Manualen und einer Pedalklaviatur, die mit den Knien gespielt wurde. Sie stand wahrscheinlich auf der Südempore und wurde 1619 von Michael Praetorius im „Syntagma musicum“ beschrieben. Ihr zwölftöniges Klaviaturschema wird noch heute auf Instrumenten gebraucht und bereitete damit den Weg in die moderne Musik. (Bezugspunkt zum John-Cage-Kunst-Projekt ASLSP)

1495 wurde die Orgel von Gregorius Kleng aus Halberstadt auf eine neue Empore umgesetzt und vermutlich eine neue Pedalklaviatur hinzugefügt.

Um 1590 schuf David Beck eine zweimanualige Orgel. (Bezugspunkt Beckorgel in der Martinikirche)

1718 vollendete der bekannte Magdeburger Orgelbaumeister Heinrich Herbst mit seinem Sohn eine Orgel, deren mächtiger, reich verzierter Prospekt erhalten ist. Diese Orgel zeichnete sich durch zwei historische Besonderheiten aus. Ein Tunnel wurde quer durch die Orgel geführt, um das Licht der Westrosette in den Kirchenraum fallen zu lassen. Weiter war die Orgel mit drei Spieltischen ausgestattet. Die beiden Seitenspieltische stellen ein Unikum im Orgelbau dar. Sie waren jeweils im Chorton und im Kammerton gestimmt. Die Registerzüge sind noch gut erhalten geblieben.

1837/38 bzw.1861 vollzogen vor allem Johann Friedrich Schulze aus Paulinzella und Carl August Buchholz mit seinem Sohn, beide aus Berlin, die Wandlung des Instruments zu einer Orgel mit sinfonischem Charakter, die Felix Mendelssohn Bartholdy als das "klangschönste Werk Deutschlands" charakterisierte.

1866 Einbau einer neugotischen Steinempore anstatt der bisherigen Empore aus Holz. Dabei wurde die räumliche Position der Orgel verändert, wodurch der Lichteinfall deutlich abnahm, der Prospekt unter die Decke „gequetscht“ erscheint und der Platz für Musizierende auf der Empore sich verminderte.

1901 Orgelneubau hinter dem barocken Prospekt durch Ernst Röver aus Hausneindorf mit drei Manualen und Pedal sowie 64 Stimmen und pneumatischer Traktur.

1945 am Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt der Dom schwere Bombentreffer, so dass auch die Orgel durch eindringende Feuchtigkeit stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

1965 Neubau durch die Orgelbaufirma Hermann Eule aus Bautzen in einer Zeit des Mangels. Dabei fanden die Prospektpfeifen und einige Register der Röverorgel, darunter die gravitätische Bombarde 32, eine Wiederverwendung. Der Lichttunnel durch die Orgel und die Seiten neben der Orgel wurden verschlossen, so dass kaum noch Licht von Westen in das Hauptschiff gelangt.

 

 

 

 

Quellen: Aus: Felix Friedrich: Faszinierende Orgeltradition in Halberstadt. In: Booklet zur CD „Orgelstadt Halberstadt“, S. 3f. ©2013 by querstand, einem Label des Verlages Klaus-Jürgen Kamprad, Altenburg.
Aus: Rüdiger Pfeiffer, Magdeburg, Geschichte und Kultur des Bistums Halberstadt, S.397 Eigenverlag Halberstädter Druckhaus

Abb. 1: Karl Bormann, Die gotische Orgel zu Halberstadt, 1966 Verlag Merseburger Berlin GmbH 
Abb. 2: Michael Prätorius, Syntagma musicum, Wolfenbüttel 1619 
Abb. 3. Foto: Mahlke, Halberstadt 
Abb. 4: Foto: Ursula Techel